Von der Initialzündung für den Wandertourismus hin zum Verein der Zukunft

Tourismus-Partner loben die Arbeit des SGV und geben Anregungen für die künftige Arbeit

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die für den Wandertourismus notwendige Wegearbeit von der Konzeption über das Kartografieren bis hin zum Markieren wäre für die Destinationen im Sauerland, Bergischen Land, Siegen-Wittgensteiner Land, Ruhrgebiet und Münsterland ohne den SGV kaum zu leisten. Hinzu kommen das Qualitätsmanagement der Wege und die Wanderführungen, zu denen der SGV durch Ausbildung von Wanderführern und Gästewanderführern
einen entscheidenden Teil beiträgt. Die Bedeutung der Arbeit des SGV und seiner Mitglieder heben die Verantwortlichen
in den fünf beteiligten Tourismusregionen klar hervor.

Wandern und Sauerland, das gehört seit den Anfängen des Tourismus in dieser Region zusammen. Für Thomas Weber, Geschäftsführer des Sauerland Tourismus, ist das Wandern: „ … die auch ökonomisch breiteste Unterlegscheibe für unseren Bürger- und Besuchertourismus überhaupt. Selbst im Winterhalbjahr ist das Draußensein, die Weite und gute Luft aufsaugen ein Riesenthema für Menschen jeden Alters geworden.“

 

Auch das Bergische Land setzt seit zehn Jahren auf Wandertourismus. Durch die Region verlaufen erlebnisreiche Wanderwege inklusive zweier zertifizierter Qualitätswege. Tobias Kelter, Geschäftsführer der Naturarena Bergisches Land: „Das Wandern lockt mit Abstand die meisten Tagesgäste in unsere Region. Immer mehr Gäste verbringen‚ den kleinen Urlaub zwischendurch bei uns mit Wandern. Dadurch hat sich die touristische Wertschöpfung kontinuierlich erhöht.“

Zum Naturerleben, zum Raus-aus-dem-Alltag und zu gesunder Bewegung braucht es nicht zwangsläufig die Berge. Bei Dagmar Beckmann, Geschäftsführerin beim Naturpark Hohe Mark – Westmünsterland spielte der Wandertourismus lange Zeit keine Rolle. Doch das soll sich bald ändern. „Mit dem vom Deutschen Wanderverband zertifizierten Hohe Mark Steig haben wir ein sehr gutes Basisangebot für wanderaffine Gäste.“ Rundwanderwege und die Aufwertung des örtlichen Wanderwegenetzes seien in Planung.

Im Westmünsterland startet der Fernwanderweg Hohe Mark Steig und führt von dort durch das nördliche Ruhrgebiet. Damit und mit der Haard, dem Baldeney-Steig, dem Kettwiger Panoramasteig oder dem Halden-Hügel-Hopping sind im Ruhrgebiet Wanderangebote mit unterschiedlicher Ausprägung entstanden. Dennoch stand das Wandern in der touristischen Vermarktung bisher nicht im Vordergrund. Christoph Lottritz, Abteilungsleiter Aktivtourismus bei der Ruhr Tourismus GmbH, erklärt, dass die hohe Nachfrage aber auch im Ruhrgebiet Handlungsdruck erzeugt.

Vor über 15 Jahren schon haben der Regionalverband Ruhr und die Ruhr Tourismus GmbH begonnen, die Entwicklung des Radtourismus in der Region voranzutreiben. Im Bereich Wandern sieht Christoph Lottritz Nachholbedarf: „Wir planen den Aufbau und die Entwicklung eines qualitativ hochwertigen Wanderangebots. Dabei ist es wichtig, versierte und erfahrene Partner wie den SGV an der Seite zu haben.“
In Anbetracht der wirtschaftlichen Bedeutung des Wandertourismus braucht es verlässliche Partner, um gerade das Wandern qualitativ und damit attraktiv hochzuhalten. Zusammen mit dem SGV und weiteren Wanderexperten hat sich Thomas Weber seinerzeit für die Entwicklung des „Neuen Wanderns“ eingesetzt. Für Monika Dombrowsky, Geschäftsführerin des Touristikverbands Siegerland-Wittgenstein, war dies eine Initialzündung. „Seit der Eröffnung des Rothaarsteiges im Jahr 2001 hat sich das ‚neue Wandern‘ aus Siegen-Wittgenstein und dem Sauerland deutschland- und sogar europaweit verbreitet und stellt seitdem das Rückgrat der Tourismusregion Siegen-Wittgenstein dar.“

Den Begriff des „Neuen Wanderns“ müsse man, so Thomas Weber, bewusst pflegen, denn „dadurch und mit dem aktuellen Wabensystem ist ein erfrischtes, ‚unverlaufbares‘ Top-Wegenetz entstanden, mit dem das Land der 1.000 Berge und der SGV einen weiter andauernden Schub bekamen.“ Zu den Meilensteinen gehören beispielsweise der Rothaarsteig, die Sauerland-Wanderdörfer, das gemeinsam erdachte Wanderleit- und Beschilderungssystem und die Schaffung der Waldmöbel. „Heute gilt es, sich diese Qualität bewusst zu machen, dankbar zu sein für jede Ehrenamtsstunde und dieses Anspruchsniveau nun auch engagiert weiterzuentwickeln.“ Auch die Entwicklung der Wanderregion Siegerland-Wittgenstein sei noch nicht abgeschlossen, betont Monika Dombrowsky. So sei Bad Berleburg erst kürzlich als erster Premium-Wanderort in Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden. Doch die Frage, welche Größe ein attraktives Wegenetz haben muss, müsse neu diskutiert werden. Dabei gehe Qualität vor Quantität. Beim aufstrebenden Wandertourismus im Münsterland hat der SGV eine wichtige Beratungsfunktion. „Besonders wichtig sind auch die Ausbildungsangebote des SGV beispielsweise für Wegemarkierer und die Durchführung von Benehmensverfahrens“, ist Dagmar Beckmann sicher. Gerade auch die bundesweit erste und einmalige wandertouristische Ausbildung zur Gästewanderführerin bzw. zum Gästewanderführer – wie sie die SGV Wanderakademie NRW seit 2019 anbietet (Infokasten rechts) – ist ein wichtiger Baustein, den Wandertourismus in den Regionen weiter voranzubringen.  

Foto: © Ralf Litera

Partner bei der Wegearbeit

Das Wanderwegenetz des Bergischen Landes wurde auf der Grundlage des Wegenetzes des SGV geschaffen. Beim Wanderwegemanagement arbeite der Naturpark Bergisches Land unter anderem mit dem SGV zusammen, erklärt Tobias Kelter. „Auf beiden Seiten ist es ohne die ehrenamtlichen Helfer nicht zu schaffen.“ Neben Schaffung und Erhalt der Angebotsqualität sei auch die Besucherlenkung und „Entzerrung“ von Hotspots zu beachten. Dabei koordiniert das Team des SGV Wegemanagements in Arnsberg unter der Leitung von Lars Runte hauptamtlich die Wegearbeit. Von dort wird die Markierung und die regelmäßige Nachmarkierung des gesamten Wegenetzes in den beteiligten Kommunen durch die ehrenamtlichen Wegemarkierer organisiert. Das SGV Wegemanagement, die Bezirke und vor allen Dingen die SGV Abteilungen vor Ort sorgen durch ihr gemeinsames Engagement für den Erhalt der Wanderqualität. Monika Dombrowsky sieht einen weiteren für den Tourismus unentbehrlichen Verdienst: „Der SGV leistet aber auch in den Bereichen Naturschutz und Landschaftspflege wichtige Grundlagenarbeit und trägt somit zur Attraktivität der Destination bei.“ Im Sauerland, einer flächenmäßig großen Region, hängen Dorfentwicklung, Heimat- und Verkehrsvereine sowie die Zukunft der SGV Abteilungen eng zusammen. Beim Blick nach vorne ist für Thomas Weber die Arbeit in und mit den Dörfern enorm wichtig. „Zur Arbeit am Basisthema Wandern kommt der Innovationsschub ‚Rad‘ hinzu. Beides passt draußen in der Natur sowie auch vom Zeitgeist und Lebensgefühl her zusammen.“ Damit diese Kombination aber mit allen Beteiligten und vor allem der Waldwirtschaft dauerhaft gelingt, brauche es tatkräftige Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die bereit sind, aufeinander zuzugehen, im Gespräch zu bleiben und grundsätzlich diejenigen wertzuschätzen, die sich gern für ihre Heimat einsetzen. Immer wieder bringt der SGV den Wandertourismus mit innovativen Projekten voran und nimmt dabei gern Anregungen vonseiten der touristischen Partner auf. Tobias Kelter hat eine Hüttenkultur wie im Pfälzerwald vor Augen, die seit März 2021 immaterielles UNESCO-Kulturerbe ist. Betrieben werden die Hütten in einer Vereinsstruktur, die der des SGV ähnlich ist. „Eine solche Hütten-Struktur im Bergischen Land würde das gastronomische Angebot deutlich aufwerten.“ Mit der künftigen Förderlandschaft für touristische Projekte in NRW könne er sich das gut vorstellen.

Zurück