Wandern ist beliebter denn je - Ergebnisse des Wandermonitors

Ergebnisse des Wandermonitors 2020/2021

Wandern ist nicht nur eine der schönsten, sondern auch eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen. Was SGV Mitglieder „gefühlt“ schon lange wissen, belegt der Wandermonitor jedes Jahr aufs Neue – mit steigender Tendenz. Frisch ausgewertet liegen die Daten des Wandermonitors 2020/2021 jetzt vor. Ein besonderes Augenmerk fällt dieses Mal auf den Einfluss des Wetters auf die Entscheidungsprozesse.

Die Pandemie hat das Wandern „beflügelt“, das belegt der Wandermonitor ganz klar. Um satte 10 %, auf über 72 % ist die Gruppe derer gewachsen, die angeben, häufig zu wandern. Mehr jüngere Menschen zieht es raus in die Natur. Der Trend zur höheren Wanderintensität zeigt sich besonders in den Altersgruppen bis 29 Jahre und 30 bis 49 Jahre. Dennoch sind Wanderer über 50 Jahre häufiger in der Natur unterwegs als jüngere. Für den Initiator der Studie, Prof. Dr. Heinz-Dieter Quack, sind die Ergebnisse wenig überraschend. „Für uns als Wandererlebnisgestalter ist es immer erfreulich, wenn wir mehr Menschen fürs Wandern begeistern können.“

Kenner und Liebhaber der heimischen Region wird es freuen: Das abwechslungsreiche Mittelgebirge mit seiner schwingenden Landschaft und häufigem, aber gemäßigten Auf und Ab ist die mit Abstand beliebteste Landschaftsform. Wer die Natur vor der Haustür liebt und schätzt, nutzt seine freie Zeit, um besonders häufig zu Wandern – vorwiegend in der Zeit zwischen April und Oktober. Weniger Aktive nutzen zum Wandern eher ein ferneres Urlaubsziel, bewältigen dann allerdings längere Strecken.  Über lange Zeit hinweg
standen aufgrund der Beschränkungen im Sport- und Freizeitbereich nur wenig Alternativen bereit. Darum wird es nicht verwundern, dass je restriktiver die Beschränkungen waren, desto mehr Wanderungen unternommen wurden. Dabei ist die durchschnittliche Kilometerzahl leicht gesunken. Der mittlere Wert hat sich von 17,2 auf 14,2 km reduziert. Meist umfasst eine Wanderung zehn bis 15 km. Die meisten Menschen sind zu zweit, mit dem Partner oder alleine zwischen vier bis sechs Stunden in der Natur unterwegs. Kinder sind dabei nach wie vor eher die Ausnahme. Die Reisebeschränkungen in der Pandemie haben die Zahl der Wanderurlaube pro Jahr nur leicht reduziert. Meist werden ein bis zwei Wanderurlaube oder Urlaube mit Wanderaktivitäten pro Jahr gebucht. Nach wie vor sind den Wanderern Natur und Landschaft bei der Wahl ihrer Wanderregion am wichtigsten. Das Ziel soll ruhig sein und nicht überlaufen. Die Qualität der Wanderwege rangiert erst auf Platz vier. Deutlich abgenommen als Entscheidungskriterium haben das Gastgewerbe, der ÖPNV und die Nähe der Unterkunft zum Weg. Auch die Auswahl eines bestimmten Weges, die Beschaffenheit und Streckenführung sowie Länge und der Schwierigkeitsgrad der Wege haben dagegen 2020 und nochmal 2021 an Bedeutung gewonnen.

Wetter-Apps als
wichtige Entscheidungshilfe

Das Wandern ist digitaler geworden. Das betrifft nicht nur Planungs- und Orientierungshilfen. Wetter-Apps auf dem Handy sind die beliebteste Quelle für Wetterdaten. Ob bei Wanderungen im Rahmen eines Tagesausflugs oder innerhalb eines Urlaubs, Informationen zum Wetter beeinflussen die Entscheidung, wandern zu gehen und helfen bei der Tourplanung. Auf Platz zwei liegen Wetterplattformen im Internet. Wanderer bis 29 Jahre nutzen besonders gern digitale Sprachassistenten. Wer einen Tagesausflug macht, achtet stärker auf gutes Wetter, als ein Wanderer während eines Urlaubs. Dabei ist die Temperatur von größerer Bedeutung als Niederschlag. Entsprechend dem Motto „es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung“, wandern zwei Drittel der Befragten auch bei leichtem Nieselregen. Auf Sonnenschein kann über die Hälfte der Befragten während der Touren offenbar gut verzichten. Starker Regen, besonders hohe Sonneneinstrahlung und Sturm sind Ausschlusskriterien, ebenso Temperaturen von über 30 oder unter 0 Grad. Das Bewusstsein für den Wert der Natur und der Wunsch, sie beim Wandern zu erleben, ist gestiegen. Dennoch sieht Prof. Quack Handlungsbedarf für Wandervereine und Wanderdestinationen bei der Vereinbarkeit von Wandertourismus und Naturschutz. „Zwar ist Wandern nachhaltiger als manche andere Freizeitaktivität. Die Frage der Nachhaltigkeit meiner Aktivitäten endet und beginnt jedoch an der Haustür, zum Beispiel bei der An- und Abreise zur Wanderstrecke. Der erlebnisorientierte Ausbau des Wegeangebotes in Verbindung mit klarer Aufklärung zu natürlichen Prozessen im Wald und der Förderung des Respekts auch vor besonders schutzbedürftigen Zonen muss analog und mindestens gleichgewichtig digital auf einschlägigen Plattformen und Apps stattfinden.“ Um für das Wandern und den Naturschutz etwas bewegen zu können, ist die Arbeit der SGV Mitglieder unerlässlich. Potenzial, weitere Mitglieder zu gewinnen, sieht Prof. Quack vor allem im Bereich der jüngeren Menschen. „Diese sind hoch sensibilisiert für Fragen des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit und auch bereit, sich und ihre Zeit einzubringen.“ Jüngere Menschen seien projektorientiert, weniger interessiert an dauerhaften Verpflichtungen wie einer Mitgliedschaft. Doch auch dafür sieht der Leiter der Forschungsgruppe Wandern mögliche Ansätze: „Da liegt die Lösung in einer Abfolge jeweils einzelner, für sich attraktiver Projekte rund um Klimaschutz und Gemeinschaftsarbeit.“

Wandern ist jünger
und aktiver geworden

Seit 2015 legt der Wandermonitor jährlich wichtige Erkenntnisse und Veränderungen vor. Auf die gesamte Zeit betrachtet, wird deutlich, wie sehr das Wandern einem Wandel unterworfen ist und wie stark es an Attraktivität gewonnen hat. So ist das Durchschnittsalter der Wanderer im Erhebungszeitraum von 51 auf 48,3 Jahre gesunken. Besonders prägnant: Die Altersgruppe 20 bis 29 hat sich verdoppelt. Das Wandern ist zudem weiblicher geworden: Der Frauenanteil ist von 43 auf 55 % gewachsen. Deutlich mehr Menschen mit höherem Bildungsstand haben das Wandern für sich entdeckt. Von rund 50 auf 75 % ist die Gruppe derer mit Hochschulreife oder Hochschulabschluss gewachsen. Zudem ist die Intensität gestiegen. Hatten vor sieben Jahren noch 33 % der befragten Wanderer angegeben, mehrmals im Monat zu wandern, so sind es aktuell rund 60 %.

Was ist der Wandermonitor?
Der Wandermonitor befragt jährlich rund 1500 Wanderer in ganz Deutschland. Die Kooperation mit rund 50 Tourismusverbänden und Unternehmen zeigt die große Bedeutung für den Tourismus. Die Touristiker erhalten aussagekräftige Daten, anhand derer sie das wandertouristische Angebot kontinuierlich verbessern und den Bedürfnissen der Wanderer anpassen und ein zielgruppengerechtes Marketing machen können. Mit dem Wandermonitor ist die Forschungsgruppe Wandern an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften beauftragt. Wissenschaftlicher Leiter ist Prof. Dr. Heinz-Dieter Quack.

Wandermonitor 2022
Der nächste Wandermonitor ist bereits in Arbeit. Schwerpunktthemen 2022 sind Distanzempfindlichkeit, Mobilität und digitale Affinität.

Buchtipp: Wandern in Krisenzeiten
Das Wandern zwischen Outdoorboom und Klimawandel beleuchtet das neue Buch von Prof. Dr. Heinz-Dieter Quack, das im Rahmen eines Symposiums der Arbeitsgruppe Wanderforschung an der Ostfalia Hochschule entstand. Führende Wanderexperten setzen sich mit den Auswirkungen der Krisen auf Nachfrage und Angebot, Veränderungen und Anpassungsstrategien sowie mit der digitale Besucherlenkung auseinander. Es ist erschienen im Erich Schmidt Verlag und erhältlich im Buchhandel sowie online: www.ESV.info/20942. Preis: 34,95 Euro

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