Aufbruch in die digitale Wanderwelt

Wir alle kennen und schätzen sie, die Wanderführerinnen und Wanderführer oder Wandernde mit leidenschaftlicher Begeisterung für topografische Wanderkarten. Schon lange vor der geplanten Wanderung studieren sie ihr Kartenwerk, interpretieren die Geländedarstellung, überprüfen mögliche Wegeverläufe, An- und Abstiege, Rastmöglichkeiten, Aussichten und Streckenlängen und empfinden dabei fast mehr Vergnügen als bei den eigentlichen Wanderungen.

Sie zählen dabei zu den maximal 20% der Wanderinnen und Wanderer, die überhaupt eine Wanderkarte lesen können. Unterwegs erkennt man sie durch den Abgleich von Karte und Landschaft, „Ein-Nordung“ mittels eines Kartenkompasses, damit er auch auf einem markierten Wanderweg seine Position bestimmen kann. Das von Jahr zu Jahr wachsende Problemunserer KartenliebhaberInnen ist, aktuelle Wanderkarten ihrer Wanderregion zu finden. Seitdem die Landesämter für Vermessung die Herausgabe topografischer Karten eingestellt haben, mussten wir Wanderer uns von der wohlbekannten TK25 verabschieden und können in NRW nur noch auf digitale Karten z.B. im Portal TIM-Online zurückgreifen. Vereinzelt werden noch von Touristikbüros Freizeitkarten mit Wander- und Radwegen veröffentlicht, die jedoch meistens nicht an unser gewohntes Kartendesign heranreichen und oftmals, da diese die gesamte Tourismusregion abdecken sollen, in einem unüblichen Maßstab aufgelegt werden.

Digitale Wanderwelt bietet
ungeahnte Möglichkeiten

Mittelfristig werden unsere Wanderfreundinnen und Wanderfreunde also gezwungen sein, sich mit der digitalen Wanderwelt auseinanderzusetzen. Bei näherer Betrachtung bietet dieser Schritt jedoch ungeahnte Möglichkeiten! Eigentlich haben viele von uns als Autofahrerin oder als Autofahrer diesen Schritt in die digitale Kartenwelt bereits vollzogen. In unseren Fahrzeugen geleiten uns Navigationsgeräte seit Jahren komfortabel und problemlos zum Ziel. In den seltensten Fällen nehmen wir noch eine Straßenkarte zur Hand. Der überwiegende Teil der FahrerInnen besitzen heute keinen aktuellen Straßenatlas mehr. Diese Funktionen haben inzwischen Internetportale wie Google-Maps übernommen, in denen wir uns bequem Routenvorschläge mit der geschätzten Fahrzeit und Verkehrsdichte anschauen können.

Zeitversetzt und deutlich langsamer hat sich diese Entwicklung auch im Wanderbereich vollzogen. Im ersten Schritt kamen GPS-Geräte (z.B. von Garmin) mit entsprechender AnwenderSoftware für die Geräte selbst (z.B. TOPO Deutschland) sowie PC (z.B. Basecamp) auf den Markt. Gleichzeitig entstanden Wanderportale (z.B. ich-geh-wandern.de / GPS-Wanderatlas), in denen jedermann Tourenvorschläge veröffentlichen kann, die dann von dem interessierten Wanderer auf sein GPS-Gerät heruntergeladen werden können. Rückblickend betrachtet haben sich diese Geräte bei den Wandernden nur bedingt durchgesetzt. Die Geräte sind ebenso wie die benötigte Gerätesoftware relativ teuer, die Bedienung ist vielen Wandernden zu kompliziert. Aufgrund ihrer Genauigkeit und Datensicherheit werden diese Geräte von ihren Nutzerinnen und Nutzern dennoch geschätzt.

Inzwischen sind wir jedoch durch den flächendeckenden Gebrauch von Smartphones einen entscheidenden Schritt weiter! Smartphones sind heute multifunktionale Alleskönner und gerade für die jüngeren Altersgruppen ein unverzichtbarer Begleiter. Nicht von ungefähr werden diese als „Generation Smartphone“ oder „Generation Head Down (Generation Kopf runter)“ bezeichnet.

Foto: © martin-dm, istockphoto

Smartphones sind heute
unverzichtbare Begleiter

Smartphones verfügen seit einigen Jahren über GPS-Funktionen, die von vielen Besitzern von PKW ohne eingebautes Navi unter Verwendung entsprechender Apps zur Navigation im Straßenverkehr eingesetzt werden. Somit war es naheliegend, diese Funktionen auch im Freizeitbereich beim Joggen, Fahrradfahren, Mountainbiken, Skifahren oder Wandern einzusetzen. Inzwischen existieren für Smartphones eine Vielzahl an Apps mit Planungs- und Navigationsfunktionen. Die Apps touristischer Einrichtungen enthalten so z.B. in der Regel feste Tourenvorschläge der Region sowie Beschreibungen und Bilder. Hier handelt es sich dann um offizielle, gut recherchierte, aktuelle und vertrauenswürdige Empfehlungen.

Andere Apps bieten einer „Community“ (soziales Netzwerk) von „Usern“ (Nutzern) die Plattform, ihre durchgeführten Touren als Tourenvorschläge mit informativen Bildern und Erlebnisberichten einzustellen. Hier ist generell eine gewisse Skepsis angesagt, ob die vorgeschlagenen Touren unsere Erwartungen in vollem Umfang erfüllen können. Der SGV hat im Vorjahr nach sorgfältiger Bewertung der wichtigsten App-Anbieter beschlossen, mit einem dieser Anbieter, der Potsdamer Firma komoot, eine Kooperation einzugehen. Das Unternehmen wurde 2010 gegründet und hat heute mehr als 22 Millionen User. Die komoot-App zeichnet sich durch eine hervorragende, benutzerfreundliche Bedienbarkeit und eine Fülle an Tourenvorschlägen insbesondere für Deutschland aus. Als Zielgruppen wendet sich komoot an Wanderer, Radfahrer, Tourenfahrradfahrer und Mountainbiker.

SGV Tourenvorschläge verlaufen
auf markierten Wegen

Im Rahmen unserer Kooperation hat Jürgen Erdmann dankenswerterweise unsere SGV Tourenvorschläge in komoot eingestellt. Wer auf der SGV Homepage den Button Wandertouren anklickt, wird auf diese Vorschläge in der komoot-App geleitet und kann inzwischen unter 858 SGV Tourenvorschlägen auswählen. Alle diese Vorschläge aus unserem Vereinsgebiet sind aktuell, geprüft, verlaufen auf markierten Wegen und sind absolut zuverlässig! Inzwischen haben wir den Gebrauch der Grundfunktionen der komoot-App auch in das  Schulungsprogramm unserer SGV und DWV Wanderführerlehrgänge aufgenommen.

Es hat sich gezeigt, dass mit diesen Funktionen auch ungeübtere Smartphone-Nutzer gut zurechtkommen. Die App ist grundsätzlich kostenlos, beinhaltet dann jedoch nur einen sehr kleinen lokalen Kartenausschnitt. Durch unsere Kooperation konnten wir jedoch die Bereitstellung von Gutscheinen für unsere Mitglieder vereinbaren, die eine gesamte Region freischalten. Zu beachten ist, dieses Paket vor der geplanten Wanderung auf das Smartphone zu laden und die Wanderung im WLAN-Netz vorzubereiten. Ist dies erledigt, ist der Gebrauch nicht wesentlich komplizierter als der eines PKW-Navis. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der SGV mit komoot einen zeitgemäßen Weg zu unkomplizierten Wandererlebnissen gefunden hat. Verlaufen war gestern, ab sofort wissen wir immer, wo wir sind!

Foto: © antonio grosz

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